Tiemo de Chirchlingen

Wir begeben uns in das Jahr 1108. Tiemo lebte rund 300 Jahre nachdem Karl der Große unsere Gegend im Awarenkrieg 791 gestürmt hatte. Das fränkische Heer stürmte das Kierlingtal von Tulln kommend. Eine Tafel in der Nähe des Römerbrunnens beim Hagental erinnert an dieses historische Ereignis. Das Kierlingtal war immer auch schon ein strategischer Ort in historischen Kriegen, so später auch 1683 beim Entsatz durch Polenkönig Sobieski, oder im April 1945 bei der Einkesselung von Wien durch die Rote Armee.

2014-03-22 BlickInsTullnerfeld

Gedenktafel B14

Im Jahre 1108 taucht ein Tiemo/Tieme de Chirchlingen als Zeuge in einer Traditon des Bischofs Herman von Augsburg nach Klosterneuburg auf. Tiemo oder Tieme von Kierling ist Träger eines formbacherischen Namens. Formbach oder auch Vornbach bestand nach neuester Forschung seit dem 10 Jahrhundert und die Formbacher traten als Vögte im heutigen Niederösterreich in Erscheinung. Die Kirchvögte waren Vertreter des Klerus – insbesondere bei niedriger Gerichtsbarkeit oder Herrschaftsrechten, wo das Grundrecht der Kirchen und Klöster mitspielte. Im Zuge der Ausbreitung der Babenberger in Richtung Osten kamen andere altbairische Adelige ebenfalls in unsere Gegend. Die Formbacher waren in der Gegend von St. Pölten, Kreutzenstein, Bisamberg und vor allem als Vögte des Benediktinerklosters Göttweigs unterwegs. Dies bezeugt auch eine Urkunde des Stiftes Göttweig  vom 9. September 1096 (Ulrich III. (Udalrich III.), † 1097 war Vogt von Göttweig); wo Bezug genommen wird auf die Weinberge in Gukkingin (Maria Gugging) und Weinstöcke in Chirchlingin (Kierling). Tiemo scheint mehrmals als Urchirchlinger auf. Meinen Recherchen zu Folge ist er aber nicht der Großvater des berühmten Rudolf von Chirchlingen. 1114 werden ein Tiemo, ein Poppo und ein Konrad zu Chirchlingen genannt  und zwar bei einer Schenkung von Otto Burggraf zu Mödling. 1114 schenkt ein Ullrich von Kierling Klosterneuburg einen Weingarten, Zeuge waren wieder Tiemo, Rudolf, Otto, Garman, Adam, Perhold. 1130 scheint Tiemo kinderlos gestorben zu sein. Es wird vermutet, dass seine Frau Rikhart hieß.

 

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