1683 im Kierlingtal

Rund um den 9. September 1683 wurde vom Lager in Tulln, das Entsatzheer unter der Führung von König Johann III. Sobieski, durch das Tal in Richtung Wien geschickt. Die Truppen mit Geschützen, Reiterei und Fußsoldaten wählten mehrere Wege. Einer der wichtigsten Wege führte über das Kierlingtal Richtung Kahlenberg. Die Gegend war von den umhergezogenen Janitscharen und Horden schwer verwüstet worden. Quellen (z.B. Klosterneuburg: Die Katastralgemeinden, Floridus Röhrig, Gustav Otruba, Michael Duscher, Seite 315) berichten von abscheulichen Morden z.B. am damaligen Schuldirektor Johann Ulrich Schirer und seinen drei Kindern (aus dem Sterbebuch Kierling, 1648 – 1774, Bild Nr. 2-Tod_26). Die Sterbebücher sind online im Internet verfügbar, allerdings ohne Übung schwer zu lesen (www.matricula-online.eu). Die ehemalige Römerstraße, die heutige B14, bot den Truppen entlang des Kierlingbachs die nötige Unterlage.

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Tafel B14, Blick ins Tullnerfeld

Die schweren Geschütze wären durch das Hagenthal kaum auf den Kahlenberg geschafft worden. Die obere Stadt war damals von den Türken zwar schwer gezeichnet, doch durch den Einsatz des Priesters Wilhelm Lebsaft und Bruder Marcellin Ortner, sowie Bartholomäus Widmann konnte die obere Stadt den nötigen Schutz bieten. Erst Tage zuvor war ein schwerer Angriff der Türken durch Oberst Donat Johann Heißler abgewehrt worden. Am 12. September 1683 konnten die Türken dann vernichtend geschlagen werden und Wien war gerettet.

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Blick vom heutigen Leopoldsberg – dem damaligen Kahlenberg. Dieser wurde 1693 umbenannt und der Josephsberg wurde zum heutigen Kahlenberg

Türkenmarterl

Türkenmarterl

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Die Denksäule wurde zur Erinnerung an die Ermordung einer Wiener Familie durch die Türken im Jahre 1683 errichtet (Lenaugasse)

333 Jahre sind seither vergangen, jedoch die stummen Zeugen dieser Vergangenheit sind noch immer präsent. So auch das Türkenmarterl von Maria Gugging, welches beim EVN Heizwerk steht, oder auch der Türkenbrunnen in der Hundskehle. In der Oberen Stadt erinnern die Wilhelm Lebsaft Gasse und die Ortnergasse an die Helden von damals. So hat das Kierlingtal und auch die Obere Stadt eine große strategische Bedeutung bei der Befreiung Wiens gespielt. 262 Jahre später – am 6. April waren es nicht die Geschütze des Entsatzheeres, sondern 40 Panzer der Roten Armee, die denselben Weg nutzten um auf Wien zu marschieren. Ob Marschall Tolbuchin die Befreiungsstrategie des Entsatzheeres von Jan Sobieski studierte ? Fest steht, dass nach der Befreiung Wiens und den schrecklichen Kämpfen und Schändungen während dieser Tage, dieser Marschall der Sowjets das Kierlingtal zu seiner Residenz gewählt hat. Er wohnte im Maital. Zeitzeugen berichten, dass viele russische Offiziere ebenfalls das Kierlingtal wählten, um in der Nähe des Marschals Фёдор Иванович Толбухин zu wohnen.

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